MTB-Wochenende am Fernsteinsee

Wie oft sind wir schon über den Fernpass gefahren? Wie oft haben wir uns schon über die Verkehrssituation auf der Fernpassstraße geärgert? Aber wieso sind wir bisher nie ausgestiegen und haben die Gegend mal näher betrachtet? Doch eines Tages haben wir eine Tour gemacht, welche die Via Claudia Augusta enthielt und die uns über einen wildromantischen Campingplatz am Fernsteinsee führte. Frank und ich meinten: da könnten wir doch auch mal Zelten. Und so kam es, dass wir dieses Jahr über das lange Wochenende an Fronleichnam das Radel und das Zelt ins Auto packten und genau dorthin fuhren. Ganz spontan kamen noch Freunde mit und so freuten wir uns auf ein geselliges Zeltwochenende nicht weit entfernt von zu Hause. Endlich mal nicht ewig fahren und Maut zahlen!

Der Fernsteinsee liegt auf 934 m direkt an der Fernpassstrasse kurz vor Nassereith in Tirol und besticht durch sein kristallklares Wasser. Erst durch ein Buch der weltbesten Tauchplätze wurde ich darauf aufmerksam, dass es wohl ein Taucherparadies ist und er für seine bizarre Unterwasserwelt in eben klarsten Wasser bekannt ist. Dort angekommen und einmal drum herum spaziert, kann ich dem nur zustimmen. Da Frank und ich dieses Jahr eine Taucherkarriere gestartet haben, reizt es uns dorthin abzutauchen.

Gezeltet wurde also auf dem Campingplatz in Fernstein in Laufweite des bei Tauchern weltbekannten Fernsteinsees: Camping Fernsteinsee. Wir hatten jeweils einen großen Zeltplatz für wenig Geld nebeneinander mit Schatten am Morgen und Sonne am Abend, also ideal zum Ausschlafen. Leider sind früh in der Morgenstunde einige Autos in einem Affenzahn an unserem Zeltplatz vorbei gefahren, was auf einem Campingplatz gar nicht geht. Bitte Schritttempo! Sanitäre Anlagen waren ausreichend vorhanden und sauber. Ein Brötchenservice ist vorhanden, jedoch lässt das Preis-Leistungs-Verhätlnis zu Wünschen übrig. Also: Brot mitnehmen! Für Grillfleisch und Bier gab es die Möglichkeit alles zu kühlen und bei Regen konnten wir unter einer überdachten Terrasse Schutz finden. Eines abends wurden dann noch vor unseren Augen Kühe von einer Weide zur nächste Weide getrieben, was ein kleines Highlight war. Weiteres Highlight war eine Fackelwanderung bei Nacht um den wunderschönen See, nur leider haben wir nichts vom klaren Wasser bei der Dunkelheit gehabt. Hihihi…

Tagsüber kann man sich die Zeit mit verschiedensten Wanderungen etc. vertreiben, wir jedoch zogen eine gefplegte MTB-Tour vor. Da es für unseren Freund das erste Mal mit dem MTB in den Alpen war, suchte Frank eine besonders schöne aber auch herausfordernde Tour heraus, die keine Wünsche offen ließ bzgl. Landschaft, angemessene Höhenmeter, Trail-Spaß, Trail-Herausforderungen und Flow. Es ging zunächst über die Via Claudia über den Fernpass bis nach Leermos, wo wir uns dann bis zur Grubighütte auf 2050 m hinauf quälten. Kurz unterhalb des Grubisteins hatten wir dann einen wunderschönen Ausblick auf die Zugspitze. Nicht verpassen! Nach einer kurzen Stärkung stürzten wir uns einen Newcomer unter den Trails hinunter, den Blindseetrail. Dieser kann überraschenderweise mit den Trails im Vinschgau locker mithalten. Neben tiefen Stufen, verblockten Abschnitten, spitzen Felsen und gerölligen Schotterfeldern, forderten mich auch die Abgründe am Wegesrand. Aber mit gesunden Menschenverstand und höchster Konzentration lässt sich der Trail gut bewältigen. Überwältigt hat mich dann auch das Panorama und den spektakulären Blick auf den Blindsee, überrascht war ich vom Naturtalent unseres Freundes, der während seiner ersten Alpentour mit Souveränität in Kondition und Balance glänzte.

Nach dieser kräfteraubenden Tour wählten Frank und ich am nächsten Tag eine Route über das Marienberjoch. Nicht zu verachten sind dann doch die eine oder andere Rampe. Auf der doch etwas kommerziellen Mareinbergalm stillten wir unseren Durst mit einer kühlen Apfelschorle, bevor wir das windige Joch querten. Da ich trailmüde von gestern war, ließ ich den Trail runter nach Biberwier aus und freute mich auf eine ausgedehnte Pause am Strand des Blindsees. Der Blindsee liegt ganz idyllisch in einem Kessel unterhalb des Fernpasses, umringt von Kiefern, windstill, sonnenverwöhnt auf 1093 m. Auch der Blindsee ist unter den erfahrenen Taucher bekannt für seine märchenhafte Unterwasserwelt und tatsächlich können wir hier zahlreichen Tauchern beim Blubberspaß zuschauen. Ach, das wäre doch mal was…

Unser Fazit zum Wochenende mit Zelt und Bike am Fernsteinsee: unbedingt Nachahmen!

PS: leider kamen wir bei der Rückreise nicht um den Stau am Fernpass herum…

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