Pembrokeshire Coast Path – September 2017

Nachdem Frank und ich letztes Jahr auf einem Roadtrip quer durch Südafrika waren, heißt es für uns dieses Jahr:

Wanderschuhe an, Zelt ab in den Rucksack und los!

Aber wohin? Unser erster „long-distance-pathway“ verlief durch die West Highlands in Schottland, wo wir erste Erfahrungen mit der Planung und Durchführung eines Weitwanderweges und dem Wildzelten machen konnten. Das hat uns super viel Spaß gemacht, naja, bis auf die fiesen midges. Deswegen waren für eine erneute Tour die Highlands gestrichen. Auch wollte ich wissen, wie es ist, länger als 1 Woche zu Fuss mit schwerem Gepäck unterwegs zu sein. Nach etwas längerer Recherche bin ich dann auf Wales und dem Pembrokeshire Coast Path gestoßen. Er gehört zur International Appalachian Trail – Organisation, wie der weltberühmte Appalachian Trail durch den Osten der USA und auch der West Highland Way in Schottland. Das Ziel ist es, die Wanderwege des Appalachen Gebirges, welches vor 250 Millionen Jahren auf dem Superkontinent Pangea gebildet wurde, über die Grenzen hinaus zu vernetzen mit dem Leitsatz: „reuniting what oceans dividing“. Hier mal der Link: IAT-SIA

Knappe 300 km schlängelt sich der enge Pfad direkt an der Küstenlinie entlang von Cardigan nach Amroth. Ich habe tatsächlich das Höhenprofil des Weges unterschätzt. Den ganzen Tag geht es steil hinauf die Klippen und wieder hinunter zum Strand. Insgesamt bewältigen wir 11.600 m rauf und runter in nur 11 Tagen und das ganze mit ca. 15 kg auf den Hüften. Du wirst aber dafür belohnt mit einer unglaublich schönen Küstenlinie, die im Norden stets rau ist und, je südlicher man kommt, immer lieblicher wird. National Geographic hat die Küste von Pembrokeshire nach der Tutukakaküste in Neuseeland zum 2. schönsten Küstenreiseziel der Welt gekürt. Soweit ich mitreden kann, kann ich dem nur zustimmen. Einen kleinen Haken hat der Weg: ca. 40 km führt er den Wanderer durch Industrieanlagen und an Truppenübungsplätzen vorbei. Deswegen legen wir auch in Wirklichkeit 260 km anstatt 300 km per pedes zurück. Entlang des gesamten Weges gibt es ein perfekt organisiertes Bus-System, mit dem man Etappen überspringen oder zu den Einkaufsläden im Landesinneren fahren könnte. Die Beschilderung entlang des Weges könnte nicht besser sein, wobei man nicht wirklich einen Wegweiser braucht. Es geht eh stets der Klippe entlang. Achtung: es ist super gefährlich an den Klippen zu laufen. In Wales wird auf Eigenverantwortung gesetzt und somit gibt es nicht wirklich Zäune vor gefährlichen Überhängen. Und gerade hinter diesen Klippen, ganz tief unten in den unberührten Buchten, verstecken sich die Seehunde mit ihren schneeweißen Heulern. Überall hängt ein Schild: „Cliffs kill!“. Apropos Schilder: hier steht jeder Hinweis in 2 Sprachen: Englisch und Walisisch. Irgendwann gebe ich es dann doch auf die Ortsnamen auf Walisisch zu lesen. Man könnte fast meinen , man wäre auf Neuseeland oder Island (wobei ich dort noch nie war, stelle es mir aber so vor).

Frank trägt für unser Nachtlager das ultraleichte Zelt von Vaude ( Mark UL 3P; 3 season; knappe 3 kg) mit sich. Wir wollen so oft es geht in der freien Natur mit Blick auf das Meer schlafen. Offiziell ist es in Wales nicht erlaubt wild zu Zelten, ganz im Gegenteil zu Schottland. Trotzdem planen wir unseren Trip so und finden doch tatsächlich immer einen wunderschönen, geeigneten Platz an den Klippen zum Übernachten, auch wenn dies jeden Abend an die 1,5 – 2 Stunden benötigt. Da wir das Zelt erst kurz vor der Dunkelheit, also ab 19:30, aufbauen und zum Sonnenaufgang wieder abbauen, stören wir nicht wirklich jemanden.

Mit der Verpflegung halten wir es dieses Mal etwas einfacher. Der Trangia-Kocher hat sich die letzten Jahre mehr als bewährt, jedoch Würstchen grillen oder Tomatensoße kochen heißt auch immer dreckiges Geschirr. Um das zu umgehen, lassen wir keine Pub-Gelegenheit aus und müssen nur China-Nudeln und Porridge mit uns rumschleppen. Hierzu braucht man nur heißes Wasser und im Laufe des Tages einen Mülleimer. Viele Pubs genau auf der Strecke gibt es nicht, aber pro Tag ist immer eines in Reichweite. Entweder erreichen wir es zum üppigen English-Breakfast oder zum Lunch. Was uns besonders gefällt ist die Tradition in den Pubs Sonntags fast ausschließlich einen Sunday Roast anzubieten. Für knappe 10 Pfund gibt es Rinderbraten, Soße, die leckersten Kartoffeln, Blumenkohl, Bohnen, Kürbis und und und. Dazu noch eines der wunderbaren Ales und die Strapazen sind schnell vergessen. Wie? Bier zum Lunch? Wir sind doch zu Fuss unterwegs!

Oft werde ich gefragt: Ist der Regen nicht nervig? Welcher Regen?! Unsere Reisezeit ist September und klar regnet es auf der Insel des Öfteren. Der Vorteil von dem Weg ist aber, dass man lange im Voraus den Regenschauer auf der Meeresoberfläche erkennen kann und dann mindestens 10 Minuten Zeit hat, sein Regencape überzuwerfen und eine geschützte Stelle hinter einer Hecke zu finden. Dann kann der Regen kommen. Ich erwähne die Hecke, da es auch stark windet und der Regen meist von der Seite kommt, niemals von oben! Vorteil vom Wind an der Küste ist, dass die Regenwolken schnell in das Landesinnere ziehen können. Was wäre Wales ohne den Regen? Dann gäbe es keine Regenbögen! Auch die Stimmung über dem Meer danach ist ganz mystisch, wenn zwischen den Wolken die Sonnen durchscheint und das Wasser die Strahlen streut.

Was könnte alles hilfreich sein, wenn auch ihr eine Wanderreise nach Wales plant? Ich versuche mal das Wichtigste hier für euch zusammen zu fassen:

  • Packliste: 2017-08-12_Packliste_Trekking
  • Wanderführer:
    • Wales: Pembrokeshire Coast Path; Ingrid Retterath und Frank Wendler;
    • Conrad Stein Verlag
    • ISBN: 978-3-86686-242-5
    • wetterfestes Papier
  • Wanderkarte
    • Harvey Maps
    • die gesamte Route auf einer wetterfesten Karte
  • Unsere Anreise im Schnelldurchlauf:
    • Flug mit British Airways von München nach Heathrow
    • Auto (Europcar) vom Flughafen bis Carmarthen (drop off bei europcar hier möglich in einem Hinterhof; hat ohne Probleme funktioniert)
    • Bus von Carmarthen nach Cardigan, Finch Square (Nr. 460); Dauer ca. 2 h
    • Bus von Cardigan nach St. Dogmaels (Nr. 407); Dauer ca. 10 min
    • Mein Tipp: immer mit dem Busfahrer reden, er weiß genau wo der nächste Bus abfährt und setzt uns sogar genau am Start des Küstenwanderweges ab

Auf weitere Bilder müsst ihr leider noch ein wenig warten. Ich gebe Bescheid sobald ich soweit bin. Ich hoffe ich kann euch die wunderschöne Küste von Wales ein wenig näher bringen. Es muss ja nicht gleich der long-distance-path sein. Man kann den Wanderweg auch wunderbar von einem festen B&B mittels Coast Bus erleben und sich die schönsten Tagesetappen selbst zusammen stellen, je nach Lust und Laune. Wir sind total begeistert von der Ruhe, den Klippen und kilometerlangen Sandstränden. Und wenn es doch mal wieder regnet, dann ab in eines der urgemütlichen Pubs auf das eine oder andere Ale!

Klick dich ganz gemütlich durch die Galerie vom PCP:

Galerie Pembrokeshire Coast Path

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